Gerswalde - Geschichte und Gegenwart

Auszug aus "Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg", Deutscher Kunstverlag, Berlin 1937

"1256 besaß das Nonnenkloster zu Prenzlau 6 Hufen und 10 Höfe im Dorf "Gyrswalde". G. gehörte wohl in die Reihe der landesherrlichen Burgen Boitzenburg, Greiffenberg, Oderberg, die bis 1250 die Nordgrenze der askanischen Lande gegen Pommern schützten.
Von 1271 bis 1311 treffen wir hier wiederholt die Markgrafen an, die in G. urkundeten. 1320 belagerte Heinrich II. von Mecklenburg G., eroberte es und legte eine Besatzung in die Burg. Fünf Jahre später wird dann "dat hus to Girswold", das damals von Markgraf Ludwig dem Älteren Mecklenburg zum Pfand gesetzt wurde, erstmals ausdrücklich genannt. 1337 ist zum erstenmal von Burg und Städtchen G. die Rede ("Gyherswalde castrum et oppidum").

Nach dem Landbuch hatte 1375 das "Oppidum Giriswalde" 55 Hufen, von denen 20 besetzt waren, andere lagen wüst. Zur Pfarre und zu einem Altar gehörten je vier Hufen. Nahe dem "Dorfe"(!) lagen 2 freie Hufen "zur Wiederherstellung der Kirche". "Henricus Musheim" besaß einen Hof mit 14 freien Hufen. Die Geschoßzahlungen erhoben "Henricus" und "Johannes Musheym" und die Söhne "Henrici Stendalis". Statt der 16 Silbermark jährlich wurde aber wegen der teilweise wüsten Beschaffenheit des Ortes nur der vierte Teil tatsächlich entrichtet. Für den Ausschank fremden Bieres wurden "Bierpfennige" erhoben, 8 Pfennig für das halbe Faß. Von der "Buchmole" in der Nachbarschaft erhielten die Einnahmen an Pacht und Bede "Ebel Swanebeke", sein Bruder und die Kirchenvorsteher von G. .

Der erwähnte Knappe "Heinrich Musheym" war noch 1390 "wonachtich tu Gyreswolde". 1447 saß bereits Peter v. Holtzendorff zu "Gyrßwalde". Seit 1463 sind dann die v. Arnim dort als Besitzer bezeugt. Sie tauschten in diesem Jahr ihr halbes Gut Strehlow gegen halb G. von Albrecht v. Ketelhack ein. 1472 besaßen sie dort 10 Hufen "zu ihrem Ackerwerke" und die Abgaben von 39 Hufen, 1486 "dat Slott to Gerßwolde" mit allem Zubehör, "mit dem Stedecken" usw. .

Im 16.Jh. begegnen dann mehrere Rittersitze der von Arnim in G. 1626 verkaufte Busso Clamor von Arnim sein Lehngut G. auf drei Jahre wiederverkäuflich an Bertram v. Boyteln. Nach dem 30-jährigen Kriege, in dem G. sehr zu leiden hatte und die drei Rittersitze Burg, Vorburg und Weißer Hof zerstört wurden, begegnen diese unter dem Namen Weißer Hof, Roter Hof und Kemperhof (nach dem Pächter Jochim Kemper, 1698-1709).
Otto v. Arnim (1682-1748) vereinigte alle drei Höfe und Zubehör wieder in einer Hand, von denen zwei an die v.Trampe und v.Steinwehr gekommen waren.
1755 errichtete er das später Herrenstein (1821) benannte Vorwerk. Auch im 19.Jh. sind noch einige Vorwerke angelegt worden: Krohnhorst (1836), Briesen und der Ackerhof Schwemmpfuhl (1857)."




Gerswalder Mohn

Heute gehört die Region zu den struktur-schwächsten Gebieten Deutschlands. Industrie-betriebe gibt es keine. Zu DDR-Zeiten war ein Großteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Mit dem Mauerfall verlor diese aber immer mehr an Bedeutung, so dass nun eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht.

Mit einer Bevölkerungsdichte von 19,05 Einwohner/km² gehört die Region zu den dünn besiedeltsten Gebieten Deutschlands.
Vieles wird getan, um einen naturnahen Tourismus zu entwickeln.

Gerswalde liegt am nördlichen Rande des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, einer sehr eindrucksvollen Kulturlandschaft mit vielen Seen und Mooren, ausgedehnten Wäldern, Wiesen und Äckern. Eine wertvolle Tier- und Pflanzenwelt charakterisiert diese abwechslungsreiche, eiszeit-geprägte Landschaft.



Im Ort Gerswalde leben heute ca. 1000 Einwohner. Hier befindet sich die Verwaltung des Amtes Gerswalde. Es gibt eine Grundschule, und einen Kindergarten. Für die medizinische Betreuung sorgen Allgemeinmediziner, Zahnarzt, Physiotherapeuten und eine Apotheke. Bei akuten Notfällen hilft die Rettungswache. Vier gastronomische Einrichtungen mit ganz unterschiedlicher Atmosphäre erfüllen die Wünsche der Gäste; auch Fremdenzimmer sind erhältlich. Es gibt einen Landmarkt für Waren des täglichen Bedarfs und einen Bäcker, in dem man gemütlich Kaffe und Kuchen genießen kann. Das nötige Kleingeld ist in einer modern eingerichteten Sparkasse erhältlich. Handwerker und Gewerbetreibende mit langjährigen Traditionen und auch "Jüngere" sind im Ort ansässig.


Galerie Café Dorfmitte

Amtsgebäude

Fachwerkhaus

Bibliothek


Zur Gemeinde Gerswalde gehören seit 2002 die Orte Arnimswalde, Berkenlatten, Böckenberg, Briesen, Buchholz, Fergitz, Friedenfelde, Groß-Fredenwalde, Gustavsruh, Herrenstein, Kaakstedt, Klein-Fredenwalde, Krohnhorst, Neudorf, Pinnow, Weiler und Willmine, die mit ganz eigenen Anziehungspunkten interessante Erlebnisse versprechen:


Die Feld-Wald-und-Wiesen-Schule in Groß Fredenwalde gibt naturnahe Einblicke in das Leben der einheimischen Flora und Fauna, und in der Radwanderherberge kann man freundlich eingerichtete Zimmer buchen.
Besonders sehenswert ist die Feldsteinkirche aus dem 13. Jh.



Wenn man Gerswalde in Richtung Süden verlässt, befindet sich nach etwa 2km auf der rechten Seite von Bäumen und Buschwerk umsäumt, die sagenumwobene Ruine der "Wüsten Kirche". Vor dem Tor des Kirchengeländes haben die Vereins-mitglieder des Uckermärkischen Mythengarten e.V einen Riesenfindling platziert,der Rastplatz am Sagenstandort zur Sage von den drei Schönen ist.
Auf dem Innenhof befindet sich ein idyllischer Friedhof und auf dem hinteren Giebel nistet in jedem Sommer ein Storchenpaar.


Der Straußenhof Berkenlatten vermittelt Wissenswertes über diese interessanten Vögel. Das weitläufige Gelände lädt zu einem schönen Spaziergang ein und in einem kleinen Laden kann man Straußenprodukte erwerben.



In Friedenfelde wurde im ehemaligen Arnimschen Gutshaus (hier lebte einst der Dichter Achim v. Arnim) das frühere Herrenzimmer zum Cafe, dem "Salon im Gutshaus", umgestaltet. Vegetarische Gerichte und selbstgebackener Vollkornkuchen gehören zu den Spezialitäten des Hauses. Im Garten kann man das Leben in einem Storchennest beobachten.


In Kaakstedt gehört die Dorfkirche aus dem 13. Jh. zum Kleinod des Ortes, dessen Einwohner die sehenswerte Inneneinrichtung aus dem 15.-18.Jh. besonders pflegen und erhalten wollen.
Der Ort Fergitz liegt unmittelbar am Uckersee. Der Freundeskreis Kirchenhus Fergitz e.V. hat das Ziel, die Dorfkirche vor dem Verfall zu retten und zu einem Treffpunkt der Generationen herzurichten.
Pinnow wurde bereits 1284 urkundlich erwähnt. Die Feldsteinkirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Heute ist der idyllische Ort Wochenend- und Urlaubsdomizil vieler Großstädter, die sich alte Häuser wieder hergerichtet haben. Der Ort liegt direkt am schönen Pinnower See.



Wer praktische Gemeinsamkeit für sozialen Ausgleich und Frieden in Europa kennen lernen möchte, findet etwas weiter in Neudorf dafür die besten Möglichkeiten. Der Freundeskreis von Haus Neudorf e.V. baut seit 1997 ein offenes Haus als Forum für Begegnungen auf. Hier werden verschiedene Programme erprobt, um die Botschaft von Europa über die gleiche Würde jedes Menschen in der Welt von morgen lebendig zu halten.



Besonderer Stolz der Einwohner von Krohnhorst ist ihre idyllische Dorfaue mit einer jahrhundertealten Eiche. Seit vielen Jahrzehnten feiert hier das ganze Dorf sein traditionelles Erntefest und inzwischen auch ein beliebtes Sommerfest mit wechselndem Motto.



Fotos 8,9 und 14-16 mit freundlicher Genehmigung von www.uckermark-kirchen.de

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